Die Vernunft des Herzens

Christoph Ernst Wottawa am 04. November 2016
Die Vernunft des Herzens

Die Jahrestagung der ESGÖ wurde mit einer feierlichen Abendmesse im Stephansdom eröffnet, deren Vorsitz Prälat em. Univ.-Prof. Dr. Josef WEISMAYER (er gehört dem wissenschaftlichen Beirat der ESGÖ an) innehatte. In seiner Predigt nahm er Bezug auf einen Text von Edith Stein, „Das Gebet der Kirche“ (1936). Das „Per ipsum et cum ipso et in ipso“ fasse in kürzester Form zusammen, was das Gebet der Kirche sei: Verherrlichung des Vaters durch, mit und in Christus.

Der Festvortrag, den em. Univ.-Prof. DDr. Hanna-Barbara GERL-FALKOVITZ hielt, legte gleichsam die „Schiene“ für die gesamte Tagung, die sich in allen Vorträgen mit Edith Steins philosophischer und persönlicher Entwicklung hin zur Konversion beschäftigte. Von der Agnostikerin ohne wirkliche Kenntnis des Judentums bis hin zu der von dem Blick des „ganz Anderen“ Getroffenen, zu der Schauenden, die am (göttlichen) Gegenüber eine Wandlung erfuhr, zeichnete Gerl-Falkovitz ein packendes Bild einer Konversion, die niemals ein Entschluß ist, den der Mensch setzt, sondern stets ein Ergriffenwerden.

Der nächste Tag begann mit dem Vortrag „Gemeinsam Schauen lernen“ des jungen Dresdner Religionsphilosophen René RASCHKE, der sich der Göttinger Philosophischen Gesellschaft und ihren bedeutendsten Mitgliedern zuwandte. Dr. Elisabeth MAIER widmete sich dem bisher kaum behandelten Thema „Auf der Suche nach der ,Harmonie’ – Edith Stein und die Kunst“, und Dr. Ilse KERREMANS den Jahren, die Edith und Rosa Stein im Karmel in Echt verbrachten.

Ebenso kontroversiell wie spannend ging es in den nächsten beiden Referaten zu, die von Dr. Markus HIMMELBAUER („Christlich jüdische Reibungsflächen und Stolpersteine“) und P. Felix SCHANDL OCarm („,Ich sahaus meinem Volk die Kirche wachsen’ - Judentum und jüdische Herkunft im Blick der Christin und Karmelitin Edith Stein“) gehalten wurden, wobei der jüdische Vorwurf der Vereinnahmung einer in Auschwitz ermordeten Jüdin als christliche Märtyrerin (Himmelbauer) mit dem Kennen- und Liebenlernen des Judentums durch Edith Stein nach ihrer Konversion zum Christentum (Schandl) konfrontiert wurde.

Dem Gedanken der Sühne und ihrer im Laufe der Zeit gewandelten Artikulierung widmete sich abschließend P. Dr. Roberto Maria PIRASTU OCD in seinem Vortrag „Stellvertretung als christlicher Lebensvollzug“.
Prägnant und gewandt führte die Moderatorin MMag. Renate TOLUNAY durch die Tagung, die bis zuletzt äußerst gut besucht und von den lebhaftesten Diskussionen in den Pausen geprägt war.

(Elisabeth Maier)